Um die Pointe vorwegzunehmen


Der Tempel der Erde, einer der Tempel, die
in Amden hätten errichtet werden sollen.

Um die Pointe vorwegzunehmen: Fidus Tempelbauten könnten heute für das Dorf Amden am Walensee eine einzigartige touristische Attraktion und damit Einahmequelle darstellen, doch vielleicht ist es kein Unglück oder sogar ein Glücksfall, dass sie nicht erstellt wurden. Ganz abgesehen davon, dass sich verschiedene Fragen stellen, wenn sie erstellt worden wären. Hätten sie die Zeit übderdauert? Würden sie heute als Kunstdenkmäler gepflegt? Welchem Zweck würden sie dienen? Wer käme für ihren Unterhalt auf? Oder wären sie längst zu Ruinen verfallen?

Was als Anekdote der Dorfgeschichte und dem Leben von Fidus erzählt wird, könnte eine Peinlichkeit, wenn nicht einen politischen Skandal darstellen. Einen Skandal, der vielleicht umso grösser wäre allein der Tatsache wegen, dass die Bauten erstellt wurden und Fidus beziehungsweise seiner politischen Propaganda eine Bedeutung hätten, die sie jetzt nicht haben und nie hatten. Denn keiner der vielen Tempel, die er entworfen hat, wurde gebaut. Und sein zeichnerisches und malerisches Werk ist weitgehend in Vergessenheit geraten und wird kaum in einer Museumssammlung oder in einer Ausstellung gezeigt, auch wenn Fidus nach wie vor eine kleine, aber treue Anhängerschaft hat.

Vielleicht auch wäre Fidus nicht nur der verbohrte völkische Träumer, der er unzweifelhaft war, sondern seinem völkischen "Gedankengut", das von den Nationalsozialisten als unzeitgemäss abgetan wurde, könnte damals von offizieller Stelle dank seiner monumentalen Tempel als Vorläufer der Bauten für die Inszenierung von Massen ein gewisses Wohlwollen oder gar Wertschätzung entgegengebracht worden sein.

Dass keine Denkmäler eines völkisch verblendeten Künstlers heute am Walensee stehen, ist allerdings nicht politischer Umsicht als vielmehr den wirren Umständen damals zu verdanken.

Letzte Änderung: 26. September 2020.